Versorgungsmedizinische Grundsätze
GdB-Tabelle nach der Versorgungsmedizin-Verordnung (VersMedV)
Grad der Behinderung · Schwerbehinderung · Folgeerkrankungen · funktionelle Auswirkungen
Teil B Nr. 15.3 VMG – Stoffwechsel, innere Sekretion
Die Adipositas allein bedingt keinen GdS. Nur Folge- und Begleitschäden, insbesondere am kardiopulmonalen System oder am Stütz- und Bewegungsapparat, können die Annahme eines GdS begründen. Gleiches gilt für die besonderen funktionellen Auswirkungen einer Adipositas permagna.
Der BMI oder die Einstufung als Adipositas Grad 1, 2 oder 3 ergibt keinen festen GdB. Entscheidend sind Folge- und Begleitschäden sowie bei Adipositas permagna besondere funktionelle Auswirkungen.
Für die Praxis müssen deshalb die tatsächlichen Einschränkungen von Atmung, Herz-Kreislauf-System, Gelenken, Wirbelsäule, Gehfähigkeit und Belastbarkeit beschrieben werden.
Kurzantwort: Adipositas allein führt nach den VMG grundsätzlich nicht zu einem eigenen GdB. Das gilt auch für die Einteilung nach Grad 1, Grad 2 oder Grad 3. Bewertet werden insbesondere Folge- und Begleitschäden sowie die besonderen funktionellen Auswirkungen einer Adipositas permagna.
| Suchbegriff / Befund | GdB-Bedeutung |
|---|---|
| Adipositas Grad 1 | kein automatischer GdB |
| Adipositas Grad 2 | kein automatischer GdB |
| Adipositas Grad 3 / Adipositas permagna | kein fester Tabellenwert; besondere funktionelle Auswirkungen können berücksichtigt werden |
| Folge- und Begleitschäden | Bewertung im jeweils betroffenen Funktionssystem |
Die medizinische Einteilung nach BMI-Klassen beantwortet die GdB-Frage nicht. Ein höherer Adipositasgrad bedeutet daher nicht automatisch einen höheren GdB. Entscheidend ist, welche dauerhaften Funktionsbeeinträchtigungen im Einzelfall tatsächlich bestehen.
Teil B Nr. 15.3 VMG stellt ausdrücklich klar, dass besondere funktionelle Auswirkungen einer Adipositas permagna berücksichtigt werden können. Auch hier folgt daraus aber kein pauschaler GdB allein wegen des Körpergewichts oder BMI.
Typische Folge- und Begleitschäden können insbesondere das kardiopulmonale System sowie den Stütz- und Bewegungsapparat betreffen. Diese Gesundheitsstörungen werden nach den für das jeweilige Funktionssystem geltenden VMG bewertet.
Auch erhebliche Adipositas allein begründet das Merkzeichen G nicht automatisch. Maßgeblich ist, ob behinderungsbedingte Funktionsstörungen die Bewegungsfähigkeit im Straßenverkehr entsprechend einschränken.
| Gericht / Datum | Aktenzeichen | Kernaussage |
|---|---|---|
| BSG, 30.04.2019 | B 9 SB 76/18 B | Adipositas allein begründet keinen GdB; Folge- und Begleitschäden sowie besondere funktionelle Auswirkungen einer Adipositas permagna sind maßgeblich. |
| LSG Berlin-Brandenburg, 15.04.2010 | L 13 SB 82/08 | Erhebliches Übergewicht kann im Rahmen funktioneller Auswirkungen berücksichtigt werden; entscheidend bleiben behinderungsbezogene Einschränkungen. |
| BSG, 24.04.2008 | B 9/9a SB 7/06 R | Besondere funktionelle Auswirkungen können für die Gehfähigkeit relevant sein; eine pauschale Bewertung allein nach Körpergewicht scheidet aus. |